Mitglied werden

Von der Startup Supermacht Israel lernen
25. Mai 2017
25. Mai 2017

"Von der Startup Supermacht Israel lernen" Artikel aus dem Börsen-Kurier vom 25.05.2017

Risikobereitschaft, globale Vision, Investibilität und Börse als Prime Class des Kapitalismus

VON DER "STARTUP-SUPERMACHT" ISRAEL LERNEN

Alle reden über Startups und Investments in solche wachstumsorientierten Hi-Tech-Jungunternehmen.
Das Vorbild USA, Silicon Valley und San Francisco werden oft bemüht. Aber es gibt noch ein Best Practice, das - zumindest geografisch- näher liegt.

„Über Österreich, die innovative Startup-Supermacht.“ Dieses Motto war bei einer Podiumsdiskussion, zu der die Jungunternehmer im Österreichischen Gewerbeverein (JÖGV) geladen hatten, im Hintergrund eingeblendet. Diesem ambitionierten Titel folgte aber leider ein Nachsatz am Screen: „Hoppla, doch nicht. Das ist ja Israel!“ Damit war vorgezeichnet, worum es den Experten am Podium ging: Was in dem kleinen Land im Nahen Osten für Startups besser ist und was man von dort lernen kann.

Martina Hagspiel vom ÖGV über den Grund, warum man sich hierzulande diesen Fragen stellen sollte: Israel gelte weltweit als High-Tech-Zentrum und führende Startup-Volkswirtschaft. Denn während man dieses Thema bei uns erst kürzlich (politisch) entdeckt hat, wurde diese Strategie in Israel schon vor 20 Jahren betrieben. Und so stammen heute 50% der Exporte Israels aus High-Tech und das kleine Land beherberge weltweit die meisten Startups gemessen an der Bevölkerung.

Zug zum Tor

Jörg Zeddies, viele Jahre in verschiedensten Ländern für die Deutsche Telekom und die Telekom Austria tätig, danach Co-Founder und Managing Partner von Match-Maker Ventures und seit dem erfolgreichen Exit Berater für seine ehemalige Firma, weist auf den unterschiedlichen Umgang mit dem Thema Risiko hin. Die jungen Israelis lernen beim Militärdienst schon mit 19-20 Jahren „Riesenverantwortung“ und haben daher einen anderen Zugang zu Risiko –und Unternehmertum. Und weil -im Gegensatz zu Österreich, das „als Segen und Fluch“ seine Hauptmärkte „vor der Haustür“ hat, Israel von Ländern umgeben ist, mit denen Exporte und Kooperationen nicht möglich sind, müssen die Israelis „global denken“. Um also in die „Königsklasse“ des Unternehmertums zu kommen, müsse man sich in Israel „mehr stretchen“. Für (junge) Österreicher heiße das Leistungswille, „Zug zum Tor“ und „nicht im Zinshaus der Eltern aussitzen“.

Feedbacks als Mehrwert

Für Bernhard Raberger, Managing Director der Analyse-, Beratungs- und Venture Capital-„Boutique“ Blue Minds Solutions GmbH mit Schwerpunkt Startups in den Phasen Early Stage bis Roll-out, sei in Israel „Scheitern kein Manko“ und man folge gleich einer „globalen Vision, denn der Heimmarkt ist ja klein“. Tel Aviv sei selbst ein Startup von 50 Familien, „die in die Wüste gegangen sind“. Was man von Israelischen Startups lernen könne: „Stelle deine Idee so dar, dass sie investibel ist, suche nach Validierung der eigenen Idee am Markt und sehe das als Mehrwert.“ Denn solche direkten, klaren (auch kritischen) frühen Feedbacks seien „so hilfreich“, denn dann gibt’s vielleicht 5 Mio statt 50.000 Euro. Und immer die Frage stellen: „Wo ist die Hitrate für mein Produkt am höchsten?“ Das brauche Basis-Research-„Arbeit“ und Markanalyse. In Israel streben Startups „grundsätzlich eine Börsenotierung als Prime Class des Kapitalismus“ an. Aber nicht so sehr in Israel selbst, sondern an jenen Wachstumsbörsen bzw. -segmenten (bis Australien), wo es „am wenigsten reguliert ist

Anderes Mindset

Dejan Jovicevic, Co-Founder des „Brutkastens“, der selbst ein Startup ist, anderen Startups bei Entwicklung und Innovation hilft und Investitions- & Finanzierungsmodelle vermittelt, ortet einen „fundamentalen Unterschied im Mindset“. „In die Königsklasse Unternehmertum starten-scheitern-daraus lernen-dann ist man investibel“: An dieser „Geisteshaltung“ in Israel müsse man in Österreich arbeiten. Was Tel Aviv attraktiv mache: Man kann in drei Flugstunden dort sein, ins Silicon Valley müsse man um die halbe Welt fliegen. Sein optimistisches Fazit: „Künstliche Intelligenz wird nie Menschen mit Ideen ersetzen.“

(Manfred Kainz)

"Von der Startup Supermacht Israel lernen" Börsen-Kurier vom 25.05.2017