1. Januar 2018
1. Januar 2018

Es gibt überall Blumen, für den der sie sehen will. (Henri Matisse)

Die Zeichen stehen auf Grün, die Stimmung ist vielerorts sehr positiv und die wirtschaftlichen Gestaltungsräume scheinen sich schon fast automatisch zu öffnen. Wir befinden uns in einer Hochkonjunktur, die Finanzmarktkrise ist überwunden, ja schon fast vergessen, und Optimismus macht sich breit. Optimismus. Wohl eine der wesentlichsten Eigenschaften im Unternehmertum.

Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.
(Christian Morgenstern)

Gleich zu Beginn des Jahres gibt es gute Nachrichten:
Selbstbewusstsein und Optimismus sind gestiegen, man blickt in Österreich wieder zuversichtlich in die Zukunft. Bestätigt wird dieses Gefühl auch vom KSV1870, der seine Mitglieder und Kunden dazu befragte: Ganz besonders zufrieden mit der Auftragslage ist man im Westen. Salzburg, Tirol und Vorarlberg zeigen laut KSV1870 einen größeren Zufriedenheitsgrad als der Rest von Österreich. Die positive Einschätzung der aktuellen Situation färbt auch auf die Prognosen der befragten Unternehmen für die nahe Zukunft ab. Besonders in Vorarlberg scheint man einen intensiven positiven Trend zu spüren. Die Entwicklung des Schweizer Frankens mag hier dem Ländle noch gesondert helfen, da sehr viele Schweizer über die Grenze nach Österreich fahren um ihre Einkäufe des täglichen Lebens durch den Währungsvorteil zu vergünstigen.

Auch zwei Mal so viele Unternehmen wie im Vorjahr zeigen sich optimistisch ob der nahen Zukunft. In Wien ist man im Vergleich noch etwas verhaltener, jedoch sagen auch in der Bundeshauptstadt bereits mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie eine gute Entwicklung erwarten.?

Was wir von Frederick, der Maus, schon als Kind gelernt haben...

Die Geschichte von Frederick, der Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt, ist ein wahrer Klassiker. Schon seit 50 Jahren macht Frederick den Kleinen und den Großen klar, wie wichtig Träume und Hoffnungen für das Überleben sind. Die Geschichte ist schnell erzählt: Fredericks Vorräte von Wärme, Farben und Geschichten stärken die Gemeinschaft als alle gesammelten Nüsse und Körner längst zur Neige gehen und der rettende Frühling sich immer noch nicht zeigt. Aktueller denn je zeigt die Erzählung der kleinen, poetischen Maus wie stark eine Gemeinschaft sein kann, die nicht nur auf Materielles vertraut sondern sich auf den Optimismus konzentriert.

In den wirtschaftlichen Kontext gezogen bedeutet das:

Auch ohne sich allzu lange mit Makroökonomie zu beschäftigen hätte man den aktuell stattfindenden Aufwärtsschwung erahnen dürfen. Die Schwankungen der Konjunktur folgen gewissen (mehr oder weniger) regelmäßigen Bewegungen. Mit einer wellenförmig verlaufenden Kurve um den langfristigen Wachstumstrend wird der Konjunkturzyklus dargestellt. Zwar werden die Zyklen, also die Dauer von einem Boom zum nächsten, ständig kürzer aber dennoch folgt auf eine Abwärtsbewegung in der Regel eine Aufwärtsbewegung. Ein gutes Beispiel ist das Jahr 2008. In den ersten Monaten der Finanzmarktkrise wollte und konnte niemand mehr glauben, dass sich die Wirtschaft jemals wieder erholen wird. Die Aktienmärkte zeigten schon lange wieder positive Trends als endlich eine gewisse Beruhigung der vorherrschenden Angst stattfinden konnte und das Tal der Tränen durchschritten wurde. Aktienmärkte sind der Konjunktur meist ein paar Schritte voraus. Ist dort die Stimmung positiv, dann schwappt diese Bewegung irgendwann in die Realwirtschaft und die Konjunktur zieht nach.

Gerade in diesen Zeiten der Unsicherheit ist eine entsprechend positive Einstellung vom Unternehmer gefragt. Bei Schönwetter können alle an die Wärme der Sonne glauben, aber die Tugend des Unternehmers ist es in langen dunklen Wintertagen von der Sonne zu sprechen und wärmende Bilder zu zeichnen. Wofür das gut ist? Um die Anderen für die Sache zu begeistern und für den positiven Ausgang zu arbeiten.

 

 

Optimismus als Basis der unternehmerischen Haltung.

Optimismus (vom lateinischen "optimum", "das Beste") ist die Bezeichnung für eine positive Einstellung zum Leben und der Welt. Optimisten glauben an "ein gutes Ende", haben Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht.

Studien belegen, dass bei Unternehmerpersönlichkeiten der Optimismus stärker ausgeprägt ist als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Es zeigt sich aber auch, dass es durchaus eine negative Korrelation zwischen dem Ausmaß an Optimismus und dem Unternehmenserfolg gibt.

So arbeiten moderate Optimisten länger und härter, haben langfristige Pläne, sparen mehr, zahlen ihre Schulden und sind risikobewusster. Extreme Schönseher hingegen neigen zu einer falschen Risikowahrnehmung, haben einen eher kurzfristigen Planungshorizont , sind leichtsinnig, sparen kaum und hoffen auf Dinge, die unwahrscheinlich sind.

Dabei ist die Selbstüberschätzung eines unrealistischen Optimisten nicht zwingend als negativ zu bewerten, denn auch sie fördert das Unternehmertum und ermöglicht motivierten Unternehmerpersönlichkeiten, andere wichtige Stakeholder in ihren Bann zu ziehen und für ihre Idee zu begeistern. Am Ende des Tages sind es dann doch sehr oft die Übermotivierten, die Veränderung verursachen und große Taten vollbringen.

Der Pessimist sagt: "Schlimmer geht’s nicht“. Der Optimist: „Doch, doch...“ Zwei Eigenschaften im Widerspruch: Optimist und Realist in einer Person?

Muss eine realistisch denkende Person sich nicht zwangsläufig viel mehr dem Pessimismus zuwenden? „Das klingt logisch“, könnte man denken, und verbaut sich in derselben Sekunde all die zahlreichen Chancen, in denen man über sich hinauswachsen kann, um die Erfolge dort zu realisieren, wo Pessimisten schon lange aufgegeben haben. Tatsächlich ist Optimismus der Treibstoff für unternehmerisches Denken und Handeln und bildet eine der Grundsäulen der Resilienz.

Resilienz heißt psychische Widerstandskraft und ist die Fähigkeit, mit Rückschlägen gut umgehen zu können. Eine Eigenschaft, die Unternehmerpersönlichkeiten oftmals in ihrer DNA tragen.

Realistischer Optimismus ist eine Mischform zwischen Realismus und Optimismus und entspricht einer Zuversicht mit Planungscharakter. Der Optimismus schafft die Fähigkeit, vertrauensvoll handeln zu können, der Realismus analysiert und bewertet auf Basis der Fakten.

Während der Optimismus bereits dazu verleitet, in die Entscheidungsfindung zu kommen und dabei hilft, den Fokus auf die positiven Aspekte zu behalten, holt der Realismus wiederum den Blick in die Gegenwart, um mit den aktuellen Daten die Entscheidung zu untermauern. Eine positive Sicht der Dinge macht das Leben nicht nur leichter, sondern soll auch gleichzeitig Körper und Geist stärken.

Studien zeigen, dass Menschen mit einer optimistischen Haltung nicht nur glücklicher, sondern auch gesünder und länger leben als Pessimisten. Ein realistischer Optimist erkennt die Situation, wie sie ist. Aber wie er mit der Sachlage umgeht, wird von einer zuversichtlichen inneren Haltung bestimmt und der Überzeugung, dass Dinge sich zum Guten wenden dürfen. (Quelle: karrierebibel.de/realistischer-optimismus)

Am Ende wartet das Glück

Die Sozialpsychologin Prof. Sonja Lyubomirsky (University of California) fand mit ihren Untersuchungen heraus, dass unser Glückspotenzial zu 50% aus einem anfänglichen Sollwert (angeboren) besteht. Weitere 10% sind anerzogen und fantastische 40% liegen in unserer eigenen Hand. So können nachhaltiger Optimismus und Glück unabhängig von einer genetischen Veranlagung erreicht werden. Wie beim Abnehmen brauche es dafür einige dauerhafte Änderungen, um das richtige Verhalten in den Alltag zu integrieren.

Ähnliche Ergebnissse liefert der Prof. David G. Myers.
Um das eigene Glück zu fördern, empfiehlt Myers Folgendes:

  • Machen Sie sich klar, dass dauerhaftes Glück nicht aus Erfolgen stammt
  • Geben Sie engen Beziehungen Vorrang
  • Suchen Sie sich Arbeit und Hobbies, die ihren Fähigkeiten entsprechen
  • Übernehmen Sie die Kontrolle über Ihre Zeit
  • Handeln Sie glücklich – lächeln Sie
  • Treten Sie der Bewegungs-Bewegung bei
  • Geben Sie Ihrem Körper den Schlaf, den er braucht
  • Blicken Sie über Ihr Selbst hinaus und gehen Sie auf Menschen in Not zu
  • Nähren Sie Ihr geistiges Selbst
  • Führen Sie ein Danktagebuch

(Quelle: „ The World Book of Happiness“ – Dumont Buchverlag – ISBN: 978-3-8321-9357-7) 

Text: Martina Hagspiel