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Palais Eschenbach
Wilhelm Exner Medaille

Exner Lectures Sir Gregory Winter

www.wilhelmexner.org

Eine Geschichte, die von Antikörpergemischen aus Pferdeserum bis zu synthetisch herstellbaren Miniaturausgaben von monoklonalen Antikörpern reicht, stellte kürzlich der britische Biotech-Pionier Sir Gregory Winter in Wien dar. Der Anlass: Er wurde mit der Wilhelm- Exner-Medaille des Österreichischen Gewerbevereins ausgezeichnet, der ihm zu Ehren eine "monoklonale Antikörper-Lecture" organisierte. Die Medaille wird jährlich seit 1921 von der ältesten österreichischen Organisation zur Vertretung von Wirtschaft, Industrie und Gewerbe (gegründet 1839) vergeben. Unter den Laureaten befanden sich bisher 21 Nobelpreisträger. Die Auszeichnung ist nach dem Wiener Techniker und Forstwissenschafter Wilhelm Exner (1840 bis 1931) benannt. Er stand auch hinter der Gründung des Technischen Gewerbemuseums (TGM) in Wien-Alsergrund und war 35 Jahre lang Rektor der damaligen Hochschule für Bodenkultur in Wien. Der britische Biotech-Wissenschafter Gregory Winter passt jedenfalls in diese Riege. Er hat durch seine Arbeiten in Cambridge seit den 1970er-Jahren am Durchbruch der monoklonalen Antikörper in der Therapie von Krankheiten federführend mitgewirkt - sowohl als Wissenschafter als auch als Start-Up-Gründer (Cambridge Antibody Technology - CAT). Das Unternehmen wurde schließlich 2006 für 700 Millionen britische Pfund (998,57 Mio. Euro) an den Pharmakonzern AstraZeneca verkauft, der sich Jahre zuvor laut Winter - ähnlich wie andere Konzerne - uninteressiert gezeigt hatte.

Weg zur Biotech-Medizin geebnet

Dabei ebneten die Arbeiten des Briten erst den Weg zur modernen Biotech-Medizin mit monoklonalen Antikörpern. Nach Pferdesera des vergangenen Jahrhunderts mit Immunglobulin- Gemischen waren die ersten monoklonalen Antikörper, die zunächst in Mäusen hergestellt worden waren, ungeeignet für die Therapie von Menschen. "Damit konnte man zehn Tage behandeln. Dann entwickelten die Patienten Antikörper gegen die Maus-Antikörper", sagte der in Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer Geehrte. Der erste Clou bestand darin, die Gene, die für den größten Teil der Antikörper vom Menschen verantwortlich sind, mit jenen Genen von Mäusen zu kombinieren, die für die Zielgerichtetheit der Gentech-Antikörper entscheidend sind. So blieben an den neuen monoklonalen Antikörpern nur noch ganz kleine Reste von Maus-Anteilen, was die Patienten tolerierten. Noch eleganter ist die von Winter und seinem Team später ebenfalls entwickelte Technik zur gezielten Produktion rein humaner monoklonaler Antikörper: durch das Anlegen von riesigen Antikörper-Bibliotheken mit Phagen (so etwas wie Bakterien-Viren; Anm.) und dem Heraussuchen der passendsten Varianten für einen bestimmten Anwendungszweck.

Umsatzstärkstes Biotech-Medikament

Der von Winter und seinem Team entwickelte humane monoklonale Antikörper Adalimumab zur Therapie der chronischen Polyarthritis war vergangenes Jahr weltweit das umsatzstärkste Biotech-Medikament mit einem Umsatz von 12,5 Milliarden US-Dollar (11,70 Mrd. Euro). Nach dem Verkauf von CAT wandte sich der mit der Wilhelm-Exner-Medaille Ausgezeichnete neuen Projekten mit einem weiteren Unternehmen (Bycicle Therapeuctics) zu. Dabei geht es um die Entwicklung von Mini-Antikörperstrukturen, die sich bereits synthetisch herstellen lassen. "Die Kleinheit erleichtert die Penetration von Gewebe. Man kann sie chemisch produzieren. Für die Krebstherapie kann man daran Toxine anhängen", sagte Winter.