Mitglied werden

Zukunftsdenken: Personal Fabrication
1. August 2017
1. August 2017 | Österreichischer Gewerbeverein ÖGV

Zukunftsdenken: Personal Fabrication. Der Auslöser der nächsten industriellen Revolution.

In den letzten Jahrzehnten hat sich unsere Gesellschaft rasant in Richtung einer Informationsgesellschaft gewandelt. So wie Großrechner in Form von PCs Anfang der 1980er auf die Schreibtische von Privatpersonen kamen, wird der Zugang zu digitalen Produktionstechnologien zunehmend demokratisiert, also für die breite Masse zugänglich gemacht. Interessant ist, dass damit der Auslöser für die nächste industrielle Revolution ermöglicht wurde. Und wir sind mit dabei.

Jeder darf ein Maker sein.

Ein wesentlicher Treiber für die Entwicklungen ist die Maker-Bewegung. Maker (engl. für ‚Schöpfer‘ oder ‚Hersteller‘) ist die Bezeichnung für eine Subkultur, die man auch als Do-It-Yourself-Kultur mit dem Einsatz aktueller Technik beschreiben kann. Dabei spielen offene Werkstätten, genannt Fab Labs oder Maker Spaces, eine zentrale Rolle. Denn sie eröffnen den Zugang zu digitalen Produktionsmaschinen. Und zwar für alle. Unabhängig von Herkunft, Vorwissen oder Profession. Die typischen Geräte in diesen Werkstätten sind 3D-Drucker, Laser Cutter oder CNC Maschinen, um die unterschiedlichsten Materialien bearbeiten zu können. Das Ziel ist einfach erklärt: für Privatpersonen soll die Arbeit an den unterschiedlichsten Produktionsmitteln und modernen industriellen Produktionsverfahren für Einzelstücke ermöglicht werden. So wird die unkomplizierte Anfertigung von hoch individualisierten Einzelstücken oder nicht mehr verfügbaren Ersatzteilen demokratisiert und für alle zugänglich gemacht.

 

 

Open Source für Hardware

Was fürs Erste etwas kryptisch klingt, verursacht jedoch einen immensen Umbruch in der Gedankenwelt und löst wahre Paradigmenwechsel aus. Die Philosophie der Fablabs zeigt in der Praxis was die Open Source auf dem Papier und in digitaler Form verlangt. Ideen werden komplett offen gelegt, viele dürfen mitdenken und mitarbeiten. Es geht nicht mehr allein um Besitz, um erfolgreiche Konzepte und Gewinn. Es geht viel mehr darum, dass Dinge entstehen können, es geht um Sinn stiften. Open Source ermöglicht also, dass Interessierte durchaus freiwillig mitarbeiten und dabei helfen die Idee nicht nur zu materialisieren, sondern sogar zu verbessern. Der proof of concept wird dadurch natürlich viel rascher erreicht.

Ist das Reich der Vorstellung revolutioniert, so hält die Wirklichkeit nicht Stand
(Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 1770-1831)

Rapid-Prototyping-Verfahren (also das schnelle Generieren von Idee inklusive Umsetzung) und die absehbaren Potenziale im Bereich der Nanotechnologie helfen dabei neu zu denken. So erscheint es inzwischen als wahrscheinlich, dass in absehbarer Zukunft verschiedenste Produktionstechnologien ganz einfach von zu Hause aus verfügbar sein werden. Für uns alle. Sehr pragmatisch wird es im Bereich Ersatzteile, die direkt daheim gefertigt werden können. Online werden die notwendigen Daten bezogen und durch einen „Personal Fabricator“ auf unserem Schreibtisch wird mit „Datei drucken“ jedes beliebige Teil erstellt. Was beim Reparieren sehr simpel möglich ist, kann beim Erfinden gleich einfach funktionieren. Dies eröffnet ein ungeahntes Ausmaß und eine nicht kalkulierbar hohe Frequenz an Ideengenerierung, trial and error Serien, die Umsetzung der Prototypen und nicht zuletzt viele Lösungen für bestehende Herausforderungen – von klein bis groß. All das sind die klassischen Treiber einer industriellen Revolution.

Der Mann, der mehr davon weiß

In der Serendipity Lounge im April beschrieb Roland Stelzer, Gründer und Geschäftsführer des „Happylab“, warum dieser offene Zugang die Produktentwicklung und in weiterer Folge das gesamte Wirtschaftsleben verändern muss und verändern wird. Stelzer machte 2006 seine Robotik-Forschungswerkstatt mit 3D-Drucker, Lasercutter und anderen digitalen Fertigungsmaschinen für die Öffentlichkeit zugänglich und gründete somit das Happylab – Österreichs erstes FabLab. Mittlerweile nutzen über 2.000 Hobbybastler, Startup-Unternehmer oder Studierende die drei Happylab-Standorte in Wien, Salzburg und Berlin. Das Konzept kann durchaus beachtliche Erfolge nachweisen.

So finden sich etwa fünf der Top 100 österreichischen Startups laut Wirtschaftsmagazin „Trend“ (2016) unter den Mitgliedern des Happylab.

Mehr Info finden Sie unter: www.happylab.at