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19. Dezember 2018
19. Dezember 2018 | Österreichischer Gewerbeverein

Der jüngste und der älteste Jungunternehmer im öGV

Im vergangenen Jahr entschloss sich Wilhelm Kirstein (damals 76), in die Fußstapfen seines Großvaters zu steigen und in die Candy-Branche mit einem altbekannten Produkt neu einzusteigen. Der Coup ist gelungen: Der originale Kirstein Milch Block Malz ist zurück (www.blockmalz.at).

Im gleichen Jahr wagte Moritz Lechner (damals 14) direkt von der Schulbank aus den Sprung ins Unternehmertum. Er rollte die Freebiebox, die Werbegeschenke zielgenau zu einer interessierten Nutzergruppe bringt, aus (www.freebiebox.eu).

Der ÖGV bat beide Jungunternehmer zum Gespräch.

Herr Kirstein, es ist ja nicht alltäglich, im Alter von 76 Jahren ein neues Unternehmen zu gründen. Wie kam es dazu?

Der Entschluss, zu gründen, hat viel mit meiner Familientradition auf der einen Seite und mit einem Zufall auf der anderen Seite zu tun: Die Marke „Kirstein Block Malz“ war frei. Da habe ich zugegriffen. Mein Urgroßvater hat den Betrieb 1877 gegründet, mein Großvater den Block Malz erfunden, meine Eltern haben die Produktion nach erfolgreichen Jahren verkauft. Ich bin hinaus in die Welt. Der Gedanke, den Block Malz, ein rein österreichisches Produkt, wiederzubeleben, war immer da. Und letztes Jahr ging es dann los.

Moritz Lechner, du bist wiederum verhältnismäßig früh auf den Gedanken gekommen, dein Unternehmen zu starten. Wie war das genau?

Ich habe mit zwölf Jahren mein erstes Praktikum bei einer Venture-Capital- Gesellschaft gemacht, die in Start-ups investiert, und dadurch ein Interesse für Start-ups entwickelt – im Sommer 2017 ist mir eine Idee für mein eigenes Unternehmen gekommen. Ich fand es schade, dass viele alltägliche Produkte, wie z. B. USB-Sticks, Rucksäcke und viele andere, keine richtige Nutzung finden und somit am Ende des Tages im Müll landen – und so ist Freebiebox geboren.

Freebiebox ist ein Überraschungsbox gefüllt mit verschiedensten hochwertigen nützlichen Alltagsprodukten, die von unterschiedlichen Unternehmen gebranded sind. Freebiebox ist als Überraschung gedacht – grundsätzlich weißt du nicht genau, was du erhältst. Mit Freebiebox können wir unsere Zielgruppe richtig festsetzen – jeder Kunde von uns füllt einen Fragebogen aus, der seine Interessen spezifiziert: Ein 30-jähriger Mann mit zwei Kindern, der sich für Sport interessiert, erhält andere Waren als ein 40-jähriger Single ohne Kinder, der seine Freizeit am liebsten mit Netflix-Serien verbringt.

Was ist die größte Herausforderung, der ihr euch gegenüberseht?

Wilhelm Kirstein: Die Produktentwicklung war sicher die größte Herausforderung. Den Block Malz von früher wieder genau so herzustellen, wie er in Erinnerung geblieben ist. Und die Vermarktung bleibt anspruchsvoll. Die Händler bearbeiten kaum noch die Nischenmärkte und die Listung bei den Platzhirschen ist ein ganz eigenes Thema. Aber wir sind gut unterwegs.

Moritz Lechner: Die größte Herausforderung ist rechtlicher Natur: Ich bin 15 Jahre alt und muss mich vertreten lassen. Offiziell ist meine Mutter die Geschäftsführerin von Freebiebox.

Was ist bis jetzt der größte Erfolg eures Start-ups?

Moritz Lechner: Mein Auftritt im ORF: Ich konnte mein Unternehmen und mich präsentieren, das haben über dreihunderttausend Leute gesehen – das war etwas Besonderes für mich.

Wilhelm Kirstein:  Dass der Block Malz so gut ankommt. Wir halten bei einem Bekanntheitsgrad von 60 Prozent. Das ist sensationell. Und dass wir schon das zweite Produkt auf den Markt bringen konnten, nämlich den Kräuter Block Malz.

Welche Vision habt ihr, für den Block Malz, für die Freebiebox?

Moritz Lechner: Mit Freebiebox im gesamten EU-Raum vertreten zu sein und dann auch in die USA und andere Länder weltweit zu expandieren.

Wilhelm Kirstein: Ich möchte die Produktpalette gerne noch ordentlich vergrößern. Nicht mehr lange und wir werden mit „Dr. Block Malz“ Aufsehen erregen: Wenn Sie so wollen, ist das ein Energydrink als Zuckerl aus natürlichen Zutaten. Ein tolle Sache, aber trotzdem ist es nicht für alle geeignet. Deshalb steht auf dem kleinen, wiederverschließbaren Sackerl gut sichtbar „nicht für Kinder, Schwangere und Stillende“. Das ist mir wichtig, das auch korrekt anzuzeigen.

Was bedeutet es für euch, wieder- bzw. endlich Entrepreneur zu sein? Seht ihr euch als solche?

Moritz Lechner: Ja, natürlich. Entrepreneurship ist für mich Unternehmertum: Man setzt eigene Ideen um, man stellt selbst Projekte auf die Beine, man gründet selbst ein Unternehmen.

Wilhelm Kirstein: Ja, schon. Ich war zwar immer in Positionen mit großer unternehmerischer Verantwortung. Zunächst im Kaffeehandel. Danach war ich der erfolgreichste Verkäufer des Wick-Hustenbonbons, bin über die Metallindustrie zum Schluss in der Energiebranche gelandet, in der Führung eines Konzerns mit 10000 Mitarbeitern. Jetzt etwas ganz Eigenes aufzubauen, ist schon etwas Besonderes.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften für einen Entrepreneur?

Wilhelm Kirstein: Innovativ sein, durchhalten können, Herausforderungen meistern wollen, bereit sein, Risiko einzugehen. Man muss begeistern und überzeugen können. Und dabei immer seriös und ethisch korrekt handeln. Das ist mir sehr wichtig, auf ehrlichem Fundament aufzubauen.

Moritz Lechner: Durchhaltevermögen und Ehrgeiz spielen eine riesige Rolle: Es ist am Anfang der unternehmerischen Tätigkeit natürlich schwer – es gibt viele Herausforderungen, man muss immer dranbleiben, man muss alles selbst entwickeln, man steckt enorm viel Zeit in sein Unternehmen oder Projekt. Es kommen auch Dinge, die nicht so gut funktionieren, das muss man anerkennen und entsprechend verändern. Und Ehrgeiz ist dabei immer wichtig: Man muss sich seine Ziele setzen und alles geben, um diese zu erreichen, auch bereit sein, viel dafür zu arbeiten.

Was heißt für dich Erfolg und Glück?

Moritz Lechner: Glück hängt für mich sehr stark mit dem Erfolg zusammen. Wenn ich Ziele erreiche, die ich mir gesetzt habe, dann bin ich glücklich dadurch.

Wilhelm Kirstein: Für den Erfolg braucht man immer auch Glück. Und das bereitet dann Freude. Und Freude zu haben, bei dem was man tut, steht wiederum untrennbar für Erfolg und Glück.

Wenn ihr einem zukünftigen Gründer einen Rat geben könntet, dann wäre es...

Wilhelm Kirstein: Handle umsichtig und professionell. Schiebe die Entscheidungen nicht hinaus. Und natürlich Riskcontrolling. Die meisten scheitern ja an falsch eingeschätzten oder übersehenen Risken. Manchmal muss ich meine Begeisterung zurücknehmen, wenn ich meine Geschäfte gut machen will. Und ich muss durchhalten. Durchhaltevermögen ist gerade bei neuen Produkten wichtig. Die allermeisten erfolgreichen Gründer haben eine Durststrecke hinter sich bringen müssen.

Moritz Lechner: Just do it. Einfach Dinge ausprobieren und auch schnell zu testen. Nicht zu lange mit Businessplänen herumtun. Natürlich ist das auch wichtig, und ich habe auch einen Businessplan geschrieben, aber im Endeffekt ist es viel wichtiger, die Sachen zu verwirklichen und umzusetzen. Jeder Gründer kennt den Unterschied zwischen reinem „Ideen-Haben“ und Umsetzen. Aus dem Tun lernt man am besten.