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21. Mai 2018
21. Mai 2018

Design Thinking:
Die Denkweise der Gestalter

Design-Thinking ist die Denkweise der Gestalter, jener Menschen, die eine vorgefundene Situation so verändern (wollen), dass sie ihrer Idealvorstellung dieser Situation entspricht. Es ist eine »effectuale« Denkweise, die Denkweise der Entrepreneure, der Macher. Es ist auch eine empathische, kundenorientierte Denkweise, vermutlich auch die Denkweise der erfolgreichen Kaufleute, eine serviceorientierte Denkweise.

Design-Thinking erscheint manchmal chaotisch, weil Zusammenhänge hergestellt werden, wo scheinbar keine sind. Es ist eine Denkweise des Ausprobierens und des iterativen Verbesserns, des flexiblen Reagierens auf momentane Umstände.

Die prominenteste Gruppe, die so denkt, sind die Gestalter selbst, die Designer. Dort entfaltet sich Design-Thinking zur Höchstleistung, denn Dinge und Abläufe, die praktisch sind und gut funktionieren, dürfen nicht häßlich sein. Designer geben diesen Produkten (= Gegenstände, Prozesse und Dienstleistungen) die genauso notwendige und von den Menschen gewünschte Ästhetik.

Ein Tool Set?

Verkaufstüchtige Berater stellen Design-Thinking oft als Methode oder als Tool-Set dar — und dokumentieren damit ihr Unverständnis. Denn Design-Thinking unterscheidet sich genau dadurch von der Denkweise der Manager, dass es nicht kausal, nicht geordnet, nicht strukturiert ist. Es ist ein »Un-Prozess«.

Designer nutzen Methoden (oft bloß Fragmente davon) nur, um anlaßbezogen rasch zum angestrebten Ideal zu gelangen. Sie vermischen Bekanntes aus unterschiedlichen Wissensgebieten. Die flexible Interpretation von Regeln, großzügiges Neuauslegen und spontanes Ausprobieren ist die Wesenheit dieser Denkweise (man könnte auch sagen, Methoden unmethodisch anwenden).

Die Denkweise kann jeder lernen, man muss sie nur üben. So wie jeder eine Sprache lernen kann, Autofahren, Hochöfen bauen. Dem einen liegt das eine mehr, dem anderen das andere. Der eine hat Excel und Buchhaltung im kleinen Finger, der andere skizziert mit Leichtigkeit den Petersdom aufs Papier. Es gibt beide Typen in unterschiedlicher Ausprägung und es braucht beide für eine funktionierende Gesellschaft und insbesondere eine florierende Wirtschaft.

Das Methoden-Set der jeweils anderen Berufsgruppe zu kennen, bringt gegenseitiges Verständnis, können muss man es nicht, um erfolgreich zu sein. Um erfolgreich zu sein genügt es, wenn beide Typen zusammenarbeiten, der Design-Thinker (Designer) und der Manager.

Europas Unternehmer brauchen mehr Design-Gesinnung.

Die Denkweise der Designer wird gerne missverstanden und die Leistungsfähigkeit und ihr Nutzen verkannt. Man meint — in Europa — man müsste nur einen bestimmten Prozess (ein Rezept) abarbeiten, um diese Designenergie zu nutzen. Die Amerikaner wissen offenbar, dass man eine Denkweise (Design-Thinking) durch einen Prozess (Seminar, Workshop) kennenlernen kann, diesen aber dann mit Hilfe eines Experten (eines Designers) anwendet. Das ist der große Unterschied zwischen den USA (ich lasse er mir erklären und kaufe es dann zu) und Europa (ich lasse es mir erklären und meine es dann selbst tun zu können).

 

 

Rudolf Greger

machte sich vor 30 Jahren als Designer selbständig und ist Mitbegründer der GP designpartners gmbh (Industrie Design).

Seit 2014 leitet er
den Design-Thinking-Tank www.designthinkingtank.at   
mit der Design-Thinking-Akademie www.designthinkingtank.at/design-thinking-akademie/  

Dort kann man die Denkweise der Designer nutzen und kennenlernen. Ein interdisziplinäres Team von Experten steht bereit für Inspiration und Innovation. Mit den Trainingsprogrammen erfahren Manager und Unternehmer bequem wie sie Design-Thinking effektiv integrieren – indem sie Design-Gesinnung entwickeln.

https://gp.co.at