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5. Dezember 2018
5. Dezember 2018 | Österreichischer Gewerbeverein

INTERVIEW MIT DR. JOHANN F. KWIZDA UND MAG. JOHANNES KWIZDA, MBA

Der Gesundheit verbunden und der Natur verpflichtet ist die Kwizda Unternehmensgruppe bereits seit 165 Jahren. Seit über 40 Jahren wird das Unternehmen von Dkfm. Dr. Johann F. Kwizda und Mag. pharm. Richard P. Kwizda geführt.

Dr. Johann F. Kwizda und Sohn Mag. Johannes E. Kwizda, MBA bieten Einblicke, die zeigen, was das österreichische Familienunternehmen ausmacht und wie sie dessen Zukunft sehen.

Der Gesundheit verpflichtet. Der Natur verbunden.
Was bedeutet das für Sie, Herr Dr. Kwizda?

JOHANN F. KWIZDA: Mit der Übernahme der Kreisapotheke vor 165 Jahren hat mein Urgroßvater, Apotheker Franz Johann Kwizda, eine der ältesten und traditionsreichsten pharmazeutischen Erzeugungen im Donauraum begründet. Seit Beginn der Geschichte unseres Familienunternehmens stand die Gesundheit im Mittelpunkt unserer Tätigkeiten.

Wie sehen Sie das, Herr Mag. Kwizda, aus Sicht der Folgegeneration?

JOHANNES KWIZDA: Die Kwizda Unternehmensgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, zukunftsorientierte Lösungen zu finden – in der Entwicklung von Arzneimitteln, im Vertrieb, der Distribution und der Abgabe von Arzneimitteln an den Patienten. Damit sind wir Partner für die Pharmaindustrie, Ärzte, Apotheker und Patienten und haben uns der Gesundheit verpflichtet.

Und der Natur verbunden?

JOHANNES KWIZDA: Aufgrund der Tatsache, dass ein Großteil unserer verwendeten Rohstoffe einen natürlichen Ursprung haben und gleichzeitig der Schutz der Pflanzen Teil unserer Unternehmenstätigkeit ist, sind wir der Natur verbunden. Die Kwizda Unternehmensgruppe ist einer der führenden Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Blattdüngern in Österreich sowie Anbieter von Abdichtungssystemen zum Schutz von Dächern, Brücken und Bauwerken vor Witterungsbedingungen und Umwelteinflüssen.

Begonnen hat die Geschichte des Familienunternehmens mit der Übernahme der Kreisapotheke in Korneuburg.
Wie kam es zur heutigen Diversifizierung?

JOHANN F. KWIZDA: Mein Vater, Senator h.c. KR Dr. et. Mr. Richard Kwizda, der das Unternehmen von Dipl.-Tierarzt Julius Kwizda im Jahr 1924 übernommen hatte, musste aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage, die mit dem Zusammenbruch der Monarchie einherging, das Unternehmen grundsätzlich neu aufbauen. Seine Verbindung zwischen Unternehmertum und den Naturwissenschaften, aus denen er kam, ließen ihn vorausschauend zukünftige Bedürfnisse erkennen und darauf aufbauend Geschäftsmodelle umsetzen. So vergrößerte er die Erzeugung von Arzneimitteln und veterinären Präparaten und begründete kurz nach der Übernahme des Unternehmens bereits 1926 den Pflanzenschutz in Österreich. Den dritten Bereich stellt die Büsscher & Hoffmann GmbH mit der Produktion von Abdichtungssystemen dar, die im Jahr 1959 zur weiteren Diversifizierung der Unternehmensgruppe erworben wurde.

JOHANNES KWIZDA: Die Kwizda Unternehmensgruppe umfasst heute die Divisionen Pharma, Pharmadistribution, Pharmahandel, Apothekenservice, Kosmetik, Agro und Abdichtungssysteme mit der Büsscher und Hoffmann GmbH. Mit über 1300 Mitarbeitern ist die Kwizda Unternehmensgruppe am Heimatmarkt Österreich in ihren Unternehmensbereichen in führenden Marktpositionen in Industrie und Handel tätig. Zusätzlich nehmen die internationalen Aktivitäten einen wichtigen Stellenwert für die Bereiche Pharma, Agro und Abdichtungssysteme ein.

Sie haben Ihren Urgroßvater Franz Johann Kwizda bereits angesprochen.

Er war wohl einer der bekanntesten österreichischen Apotheker und Gründer der heutigen Kwizda Unternehmensgruppe. Was machte ihn zu einem so besonderen Unternehmer?

JOHANN F. KWIZDA: Als Erfinder des Korneuburger Veterinärpulvers und des bis heute erzeugten „Restitutionsfluids“ legte Franz Johann Kwizda den Grundstein für die Kwizda Unternehmensgruppe.

Eine bereits damals breite Produktpalette, die sich über seine Annoncen in den damaligen Zeitungen gut nachverfolgen lässt, sowie die Vermarktung dieser Produkte über die Landesgrenzen hinaus, trugen wesentlich zu seinem Erfolg bei.

Im „Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich“ wird ihm ein Eintrag gewidmet und vermerkt, dass von 1857 bis 1861 3.560.000 Pakete des Korneuburger Viehpulvers zu einem Dreiviertel Wiener Pfund abgesetzt worden seien. Lapidar vermerkt der Autor Constant von Wurzbach: „Solche Zahlen sprechen.“

Sie selbst sind gemeinsam mit Ihrem Bruder seit über 40 Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens.

Was waren Ihrer Meinung nach die wichtigsten Meilensteine für das Unternehmen in den letzten 40 Jahren?

JOHANN F. KWIZDA: Von meinen Reisen nach Japan und in die USA in den 1970er-Jahren habe ich den zukunftsorientierten Gedanken der Life Sciences mit nach Europa genommen. In unserem Unternehmen findet sich dieses Konzept in den drei strategischen Geschäftsbereichen Pharma Science, Agro Science und Material Science wieder, die wir heute an 29 Standorten in elf Ländern in Produktion und Vertrieb mit Begeisterung für zukunftsorientierte Innovationen betreiben.

Seit der Jahrtausendwende haben wir in diesen Geschäftsbereichen durchschnittlich über 1 Mio. Euro pro Monat an Investitionen in Forschung und Entwicklung, Produktion und Vertrieb aufgewendet.

Der österreichische Markt wird stark vom Vertrieb internationaler Konzerne bearbeitet. Wie kann sich ein heimisches Familienunternehmen hier positionieren?

JOHANNES KWIZDA: Kwizda hat seit jeher mit Umsetzungsstärke und Flexibilität die hervorragende Zusammenarbeit mit seinen Geschäftspartnern weiter ausgebaut und durch Diversifikationen für Stabilität in einem sich wandelnden Umfeld gesorgt. Zukünftig gilt es, das Geschaffene um neue zukunftsorientierte Perspektiven zu ergänzen. Eine große Stärke des Unternehmens ist dabei die beständige Weiterentwicklung des Produktportfolios und bestehender Prozesse sowie der Ausbau der internationalen Präsenz.

Wie sind die Life-Sciences-Geschäftsfelder der Kwizda Unternehmensgruppe gewichtet?

JOHANN F. KWIZDA: Mit über 75 Prozent des Umsatzes bilden die strategischen Geschäftsbereiche Pharma und Pharmahandel den größten Anteil des Konzernumsatzes. Mit den Divisionen Pharma, Pharmadistribution und Pharmahandel sowie Apothekenservice deckt Kwizda als eines von wenigen Unternehmen das gesamte Kompetenzfeld der Versorgung von Patienten mit Arzneimitteln ab und übernimmt eine führende Rolle am österreichischen Arzneimittelmarkt. Wobei auch für die Division Pharma der Anteil des internationalen Umsatzes mit bereits über 26 Prozent eine immer größere Rolle spielt.

Sie sprechen gerade Ihre internationalen Aktivitäten an.
Wie international ist Kwizda?

JOHANN F. KWIZDA: Dieser Aufgabe widmet sich mit großem Einsatz mein Sohn.

JOHANNES KWIZDA: Die industriellen Bereiche mit eigener Produktentwicklung und Herstellung (Pharma, Agro, Büsscher & Hoffmann) sind auch gleichzeitig die Divisionen, die international tätig sind und dieses Potenzial ausbauen.

Mit dem Leadprodukt Bronchostop entschied sich Kwizda Pharma dafür, das Exportgeschäft aufzubauen, und verwandelte Bronchostop vom österreichischen Marktführer zu einem europäischen und international erfolgreichen Hustenprodukt mit Auszeichnungen in mehreren Ländern.

Die Kwizda Agro verfügt über mehrere Niederlassungen außerhalb Österreichs – Vertriebsstandorte für Pflanzenschutz in Ungarn und Rumänien, darüber hinaus für den Bereich Schädlingsbekämpfungsmittel auch in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien.

Das Werk in Val d’Izé stellt innovative Produkte im Non-Crop-Bereich her. Flexibilität und ein breites Spektrum an Verpackungsmöglichkeiten, sowohl in fester als auch in flüssiger Form, zeichnen das französische Werk aus. Dieser Standort wurde in den letzten Jahren durch eine Erhöhung der Produktionskapazität kontinuierlich ausgebaut.

Der Umsatzanteil des internationalen Geschäfts der Kwizda Agro liegt bei über 50 Prozent. Büsscher & Hoffmann betreibt ebenfalls Standorte in mehreren Ländern – der Tschechischen Republik, Kroatien, Polen und Ungarn und seit Anfang 2018 auch Serbien und Bulgarien. Ein wichtiger Markt für einige Produkte von Büsscher & Hoffmann ist aber auch China.

Der Anteil des internationalen Geschäfts am Gesamtumsatz von Büsscher & Hoffmann beträgt über 30 %.

Wo sehen Sie die größten Wachstumspotenziale für Kwizda in den kommenden Jahren?

Herr Mag. Kwizda, Sie sind mit Ihrem Cousin Dr. Richard A. Kwizda und Ihren Schwestern Apothekerin Mag. pharm. Marie-Therese Maier-Kwizda und Mag. pharm. Kristina Kwizda Teil der fünften Generation des Familienunternehmens: Wo sehen Sie die größten Wachstumspotenziale für Kwizda in den kommenden Jahren?

JOHANNES KWIZDA: Mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung stellen sich für die Gesundheitsversorgung neue und herausfordernde Fragestellungen hinsichtlich Betreuung und medizinischer Versorgung.

Die Anforderungen im Gesundheitssystem betreffend Qualität und Effizienz steigen zugleich immer weiter. Wir sehen unseren Weg daher darin, sowohl bei unseren Produkten als auch unseren Dienstleistungen neue Lösungen zu finden, die diese Anforderungen erfüllen. Durch die intensive Beschäftigung mit Märkten, Kunden und den Bedürfnissen der Menschen sorgen zielgerichtete Entwicklungen und Investitionen für das Wachstum der Unternehmensgruppe.

Im Bereich des Pflanzenschutzes gewinnt der biologische Bereich allgemein und auch für uns als Unternehmen eine immer größere Bedeutung. Wobei der integrierte Pflanzenschutz mit einer Kombination aus natürlichen Maßnahmen und dem entsprechenden Einsatz chemisch-synthetischer Wirkstoffe von uns als sinnvoll erachtet wird. Unser Wachstumspotenzial im Bereich Agro resultiert aus der langjährigen intensiven Zusammenarbeit mit Forschungsunternehmen, unserem breiten Netzwerk aus Geschäftspartnern und Anwendern sowie der internationalen Vermarktung unserer Produkte und Kompetenzen.

Dr. Johann und Mag. Johannes Kwizda sind zurzeit im Verwaltungsrat des ÖGV.